Zank um des Pfarrers Zaun

22.11.2016 Posted in Kultur, Wallau, Wanaloha | Sei der erste mit deinem Kommentar »
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titel161117Zufriedene Zuschauer beim „Zank um des Pfarrers Zaun“

Erfolgreiche Aufführung des neuen Stücks der Wanaloha-Schauspielleute

Die Schauspielleute des Wallauer Heimatgeschichtsvereins Wanaloha führten am vergangenen Wochenende ihr neues Stück auf. Die Handlung ist im ausgehenden 17. Jahrhundert angesiedelt, nach dem großen Dorfbrand von 1678. Die Dorfbewohner sind mit dem Wiederaufbau des Dorfes beschäftigt. Bauern und Handwerker müssen sehen, wie sie das Überleben ihrer Familien sicherstellen, wobei es einige, beispielsweise der Herrenbauer auf dem Domänenhof des Bleidenstadter Stifts oder der Metzger, deutlich leichter haben als etwa der Schuster oder eine arme Witwe. Neben den Mühen des täglichen Lebens geht es um den Wiederaufbau der Kirche und des Schulgebäudes.

 

Hierbei müssen Schultheiß und Pfarrer sich mit dem Landgrafen, der Kirchenverwaltung und auch mit den Herren des Stiftes in Bleidenstadt auseinandersetzen, um die erforderliche Unterstützung zu erhalten. Auch die eigenen Vorstellungen des Lehrers und des Pfarrers von der Gestaltung ihrer Aufgaben bis hin zu eigenmächtigen Aktionen sorgen für Unmut bei den Bürgern. Die Zuschauer werden in die Handlung über eine vergleichsweile banale Situation eingeführt.

 

Die Schustersfrau sucht ihr entlaufenes Huhn und klagt ihr Leid anderen Frauen. Dabei kommt die Rede vom Huhn über einen fehlenden Zaun zum Garten des Pfarrers, wo ebenfalls ein Zaun fehlt. Das wiederum ist der Grund für den Ausfall der Ernte im Pfarrgarten, der zum Teil an eine Witwe verpachtet ist. Um die Verantwortung für den fehlenden Zaun streiten sich Gemeindeverwaltung und die Herren des Stifts. Und schon kommen weitere Themen zur Sprache, bei denen dringend gehandelt werden muss: Zustand des Schulhauses und der Kirche, Qualität des Schulunterrichts durch den jungen Lehrer, dem man nachsagt, er halte sich zu oft im Gasthaus auf.

 

Die Frauen des Dorfes, der Pfarrer, der Lehrer, der Schuster, der Wirt, der Metzger, ein Herrenbauer und ein normaler Bauer sowie der Scholtes treten im Laufe des Stückes auf und kommen zu Wort, wobei jeder versucht, seine Position zu erläutern und seine Vorstellung von dem, was zu tun ist, durchzusetzen. Der Pfarrer führt ein strenges Regiment und verhängt Geldstrafen für versäumten Gottesdienstbesuch.

 

Trotz einer Spieldauer von etwa zweieinhalb Stunden blieb die Handlung spannend. Die Dorfbewohner lösten das Problem des Zaunes, indem sie ihn einfach bauen ließen und die Kosten von dem Zehnten an das Stift abzogen. Auch für die Weigerung des Herrenbauers, die Strafe für den versäumten Gottesdienst zu zahlen, fanden Scholtes und Ältestenrat eine einfache Lösung: sie spannten dem Knecht des Herrenbauern das Pferd aus und behielten es als Pfand.

 

Auch gegen den allzu strengen Pfarrer wehrt sich die Gemeinde erfolgreich: sie beschwert sich beim Landgrafen, und dieser versetzt den Pfarrer in den Ruhestand. Der Lehrer aber stirbt nach einem Sturz vom Kirchturm, als er seiner Arbeit nachging, die Turmuhr aufzuziehen. Der Streit um den Zaun bis zum Einbehalt des Zehnten, die Pfändung des Pferdes, der Todessturz des Lehrers, die vom Pfarrer verhängte Geldbuße und auch die von der Gemeinde erfolgreich beantragte Entlassung des Pfarrers finden sich alle als Eintragungen in der Chronik von Johann Philipp Schleicher. Insofern wurde in diesem Stück eine gehaltvolle Lektion Wallauer Ortsgeschichte in ein unterhaltsames Stück verpackt. Neben seriöser Darstellung der historischen Situation verstanden es die Schauspieler, die Szenen mit der angemessenen Prise Humor zu würzen.

 

Alle spielten mit Hingabe und gingen in ihren Rollen auf. Die Zuschauer konnten sich an einem sehr lebendigen Geschehen auf der Bühne erfreuen und quittierten dies mit reichlich Applaus. Besonders zu erwähnen ist die Tatsache, dass drei Kinder in das Geschehen integriert waren, die ihre Rolle mit Begeisterung und zur Freude des Publikums spielten. Die drei Vorstellungen waren außerordentlich gut besucht. Am Donnerstag fanden sich knapp 100 Interessierte ein, am Freitag war die Vorstellung mit 150 Besuchern ausverkauft, und am Samstag war es mit knapp 140 Gästen ähnlich voll. Dank der eingesetzten Tontechnik konnten die Zuschauer auch in den hinteren Reihen dem Geschehen problemlos folgen. Die Schauspielleute bedanken sich in diesem Zusammenhang bei den Wallauer Geschäftsleuten, die als Sponsoren zu dieser Aufführung beitrugen. Als Fazit blieb festzuhalten: Drei überaus gelungene Abende, bei denen Zuschauer und Schauspieler gleichermaßen Spaß hatten.

Besetzungsliste im Anschluss an die Bildergalerie
Text: (Rudolf Ewald)

Besetzung

Pfarrer Hans Joachim Wölfel
Frau des Pfarrers Gerlinde Ewald
älteste Tochter der Pfarrersleut Carina Stein
jüngere Tochter der Pfarrersleut Mara Stein
Herrenbauer Klaus Göller
Frau des Herrenbauers Linda Stein
Scholtes Rudolf Ewald
Frau des Scholtes Kyra Luft
Bauer und Gemeiderechner Heinz Günther Körner
Frau des Bauern Sabine Feuerstein
Metzger Achim Jäger
Frau des Metzgers Ingrid Venino
Sohn des Metzgers Flynn Hamill
Arme Witwe Jutta Schröder
Tochter der Witwe Lisa Rübsamen
Schuster Werner Klas
Frau des Schusters Wally Vogl
Lehrer Marvin Fischer
Kumpan des Lehrers Benjamin Ewald
Wirt Rudi Mittag
Bedienung beim Wirt Tanja Fischer
Reiche Witwe Elvira Tröger
Jüdischer Pferdehändler Erwin Born
Technik (Licht, Mikrofone) Stefan Luft
Regie Heidrun Brembs

 

 

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